Privatkredite

Bei Privatkrediten handelt es sich um Kredite, die keinen gewerbetreibenden Darlehensgeber im Sinne des Kreditwesengesetzes haben. Im Regelfall handelt es sich hier um eine Privatperson, zumeist aus dem Bekannten- und Verwandtenkreis, die eine entsprechende Geldsumme, einen Kredit, einer anderen Privatperson zur Verfügung stellt. Eine Sonderform hat die Gameya in Ägypten und im Sudan inne. Aber auch im Damaskus, China, Indien, Japan, Indonesien und in weiten Teilen Afrikas werden private Kreditringe in Form von Frauensparvereinigungen praktiziert.

Gründe für Privatkredite

Der Hauptgrund für einen Privatkredit ist zumeist eine schlechte Bonität. In vielen Fällen können Banken keine Kredite an Kunden vergeben, die eine schlechte Bonität aufweisen. Dies führt dazu, dass diese Kunden im Bekannten- und Verwandtenkreis versuchen, einen Kredit zu bekommen. Auch nicht nahestehende Personen können dabei als Kreditgeber fungieren. Jedoch besteht hierbei die Schwierigkeit, die Zahlungsmoral und die Bonität des Kreditnehmers zu ermitteln. In entsprechenden Kreditbörsen können Kreditgeber und Kreditnehmer mit Peer-to-Peer-Krediten unter weitgehender oder vollständiger Ausschaltung einer Bank zusammengebracht werden.

Rechtliches bei Privatkrediten

Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist der Privatkredit und der Kreditvertrag in den § 488 ff. geregelt. Ein Privatkredit unterscheidet sich rechtlich gesehen nicht von anderen Krediten. Es gelten die gleichen Regeln wie für Kredite von Banken und anderweitigen Kreditanbietern.
Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, dass bei einem Privatkredit für den Kreditnehmer etliche Schutzrechte wegfallen.
Dazu gehören unter anderem:

♦ Formschriften für Verbraucherdarlehensvertrag gemäß §§ 491 – 492 BGB
♦ Kündigungsschutzregeln gemäß § 498 BGB

Abschluss, Auszahlung und Risiken von Privatkrediten

Privatkredite können formlos abgeschlossen werden, entweder mündlich oder aber auch schriftlich. Durch ein Fehlen eines gültigen Kreditvertrages entsteht dadurch eine Sicherheitslücke und Beweisprobleme können auftreten. Demnach sollten Privatkredite immer schriftlich abgeschlossen werden, wenn möglich vor einem Notar. Sicherheiten werden oftmals für einen Privatkredit nicht verlangt. Die Auszahlung erfolgt meist bar oder aber mittels Überweisung auf das Konto des Kreditnehmers. Auch Scheckzahlungen sind möglich.
Steuerlich gesehen ist ein Privatkredit einem Bankkredit gleichgestellt, sofern dieser vergleichsmäßig in den Bedingungen und Konditionen zu anderen Krediten in nichts nachsteht.

Sonderform der Privatkredite: Beispiel: Gameya

In Ägypten und in Teilen des Sudans ist eine Sonderform des Privatkredits entstanden – der Gameya. Diese Form der Privatkredite wird unter Frauen betrieben, die über eine bestimmte Zeit als Gruppe einen bestimmten Geldbetrag virtuell, also fiktiv, zahlen. Dabei wird das Geld in der Regel nicht auf einem Bankkonto eingezahlt, sondern von einer Frau bar verwaltet. Monatlich kommt somit ein bestimmter ersparter Geldbetrag zusammen, der einer Frau übergeben wird. Diese kann dann damit wirtschaften. Der Vorteil dieses privat organisierten Kreditsystems liegt darin, dass wirtschaftliche Engpässe vermieden werden können. Zudem werden die Frauen animiert zu sparen.